Woche 9 auf dem JOGLE – Flexibel bleiben

Hügelige Landschaft auf dem Cotswold Way während der JOGLE Fernwanderung

Woche 9 unserer JOGLE‑Fernwanderung von John o’Groats nach Land’s End war anders als viele Wochen zuvor. Weniger klassisches Trail‑Erlebnis, dafür mehr Realität, Entscheidungen und Anpassungen. Nach vielen Kilometern durch Schottland und Nordengland mussten wir lernen, flexibel auf Wetter, Wegbedingungen und körperliche Belastung zu reagieren.

Wie es auf dem JOGLE weitergeht

Nach rund 850 gelaufenen Kilometern in knapp zwei Monaten und einer dringend benötigten Pause in Manchester haben wir eine wichtige Entscheidung getroffen.

Wir haben beschlossen, uns nicht unter Druck zu setzen und die gesamte Strecke nicht zwingend vollständig zu Fuß zu absolvieren. Unser Ziel ist es, rechtzeitig vor Weihnachten wieder zuhause zu sein. Mit der verbleibenden Zeit, der Jahreszeit und der bisherigen Belastung wäre es weder sinnvoll noch gesund gewesen, jede verbleibende Etappe komplett zu laufen.

Deshalb entschieden wir uns für einen kurzen Transfer: Mit dem Zug ging es von Manchester nach Worcester, etwa 200 Kilometer weiter südlich. Von dort aus setzen wir unsere Wanderung fort. Noch rund 550 bis 600 Kilometer liegen vor uns bis zum Ziel in Land’s End.

Für uns bedeutet diese Entscheidung vor allem eines: Fokus auf Gesundheit, Motivation und Freude am Weg. Kein Druck und kein Zwang, jeden Kilometer strikt zu Fuß zurückzulegen sondern weiterhin echte Trail‑Momente in einem nachhaltigen Tempo.

Überflutet: der Severn Way ist unpassierbar

Unser ursprünglicher Plan war es, in Worcester auf den Severn Way zu wechseln. Dieser rund 335 Kilometer lange Fernwanderweg folgt dem Fluss Severn von seiner Quelle in Wales bis zur Mündung bei Bristol. Normalerweise gilt der Weg als relativ flach und eignet sich gut für entspannte Etappen.

Doch in dieser Woche war der Plan nicht umsetzbar. Nach starken Regenfällen war der Fluss Severn über die Ufer getreten. Große Teile des Weges standen unter Wasser. Einige Abschnitte waren komplett verschwunden, Brücken nicht passierbar.

Weiterzugehen wäre weder sicher noch sinnvoll gewesen. Also saßen wir im Hotel, überprüften Wetterberichte, studierten Karten und suchten nach einer Alternative.

Überfluteter Abschnitt des Severn Way zu Beginn des Weges während unserer JOGLE Fernwanderung
Woche 9_Severn Way

Plan B: Start auf dem Cotswold Way

Der alternative Plan führte uns schließlich auf den Cotswold Way und dieser spontane Wechsel fühlte sich sofort richtig an. Der Cotswold Way ist ein etwa 164 Kilometer langer Fernwanderweg, der von Chipping Campden nach Bath führt. Der Weg verläuft entlang der Cotswold Hills, einer Landschaft, die als Area of Outstanding Natural Beauty geschützt ist. Typisch für diese Region sind sanfte Hügel, kleine Dörfer aus hellem Kalkstein, Weinberge, offene Felder und abwechslungsreiche Wanderwege.

Im Vergleich zu Trails wie dem Pennine Way ist der Cotswold Way technisch deutlich einfacher zu gehen und eignet sich daher gut für spätherbstliche Wanderetappen. Schon am ersten Tag wurden wir mit Sonne, herbstlichen Farben und weiten Blicken über Weinberge belohnt. Außerdem fanden wir einen perfekten Zeltplatz im Wald. Nach den offenen Moorlandschaften des Pennine Way fühlte sich das Campen hier deutlich angenehmer an, da es mehr geschützte Plätze gibt.

Hügelige Landschaft auf dem Cotswold Way während der JOGLE Fernwanderung

Die kälteste Nacht bisher

Diese Woche brachte auch unsere bisher kälteste Nacht auf dem JOGLE. Am Morgen lag Eis auf dem Zelt, der Boden war gefroren und unsere Finger waren beim Zusammenpacken ziemlich kalt.

Der Start in den Tag war entsprechend mühsam. Doch wenige Stunden später zeigte sich ein klarer Himmel und Sonnenschein. Genau diese schnellen Wetterwechsel sind typisch für das Wandern in Großbritannien im November.

Nick mit Hund Nero in die Kamera lachend auf dem Cotswold Way während der JOGLE Fernwanderung

Fazit Woche 9 auf dem JOGLE

Woche 9 war weniger eine klassische Wanderwoche und mehr eine Woche voller Entscheidungen. Hochwasser, Kälte und die fortgeschrittene Jahreszeit zeigen deutlich, dass die einfacheren Wandertage auf unserer Fernwanderung langsam vorbei sind. Die Wege werden matschiger, die Tage kürzer und die Bedingungen rauer.

Gleichzeitig erleben wir immer wieder kleine positive Überraschungen. Ein Beispiel war das kleine Drama um unsere verlorene Kamera, die wir dank hilfsbereiter Menschen in Bristol tatsächlich wiederbekommen haben. Nicht alles lässt sich planen. Doch mit Flexibilität, Geduld und manchmal auch etwas Glück findet sich meistens eine Lösung.

Wir laufen weiter: mit weniger Druck, mehr Klarheit und unveränderter Motivation, den restlichen Weg bis Land’s End in unserem eigenen Tempo zu gehen.

Drückt uns die Pfoten 🐾


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