Mit Woche fünf unserer JOGLE‑Fernwanderung von John o’Groats nach Land’s End sind wir endgültig im Unterwegsmodus angekommen. Die Tage fließen ineinander, der Weg gibt den Rhythmus vor und Schottland zeigt uns einmal mehr, wie abwechslungsreich selbst kurze Distanzen sein können. Nicht jede Etappe ist spektakulär, aber jede gehört zu dieser Reise.
Start auf dem Clyde Walkway: Wandern entlang des River Clyde
Diese Woche begann für uns auf dem Clyde Walkway, einem der sogenannten Scottish Great Trails. Der rund 65 Kilometer lange Fernwanderweg folgt dem Fluss Clyde von New Lanark bis nach Glasgow und verbindet Natur, Industriegeschichte und kleine schottische Ortschaften. Für uns ist dieser Abschnitt ein weiterer Baustein auf unserem großen Weg von John o’Groats nach Land’s End.
Der Clyde Walkway zeigte sich ruhig und fast unscheinbar. Wir liefen vorbei an weiten Schafsweiden, durch kleine Dörfer und über offene Felder. Die Schafe beobachteten uns aufmerksam, als wollten sie wissen, warum wir schon wieder mit Rucksack und Hund unterwegs sind.
Wandern mit Hund auf dem Clyde Walkway
Wandern mit Hund in Schafgebieten ist hier definitiv eine Herausforderung. Nero läuft zu etwa 99 % an der Leine, vor allem wegen der Weidetiere. Entlang des Clyde Walkway wird immer wieder auf die Leinenpflicht hingewiesen. Die meisten Schafe flüchten sofort und Nero möchte instinktiv hinterher. Das Halten der Leine wird dadurch manchmal zur olympischen Disziplin. Bisher ist zum Glück alles gut gegangen, und wir hoffen sehr, dass das so bleibt.
Unterwegs machten wir eine Pause irgendwo im Nirgendwo und standen plötzlich vor Halloween‑Dekorationen: Kürbisse, Skelette und Spinnweben. Ende Oktober fühlt sich für uns noch weit entfernt an. Bis dahin wollen wir längst Schottland hinter uns gelassen haben. Auf einer Fernwanderung verliert Zeit ohnehin ihre gewohnte Bedeutung.
Verbindungsetappen gehören dazu
Nicht jeder Wandertag fühlt sich nach Postkartenmotiv an. Diese Woche hatten wir auch eine klassische Verbindungsetappe entlang von Straßen. Kilometerlang liefen wir neben der Fahrbahn, machten Pausen am Straßenrand und bemerkten dabei überraschend viel Müll.
Für Nero war das zunächst spannend: neue Gerüche, neue „Fundstücke“, die unbedingt von A nach B getragen werden mussten. Irgendwann hatte selbst er genug und legte sich einfach ins Gras.
Solche Tage sind weder spektakulär noch besonders inspirierend. Aber sie gehören zu einer Langstreckenwanderung durch Großbritannien dazu. Sie verbinden die großen Fernwanderwege miteinander. Wir nehmen sie an, gehen weiter und lassen uns die Stimmung nicht verderben.
Wanlockhead: Pause im höchstgelegenen Pub Schottlands
Nach einem windigen und regnerischen Morgen beschlossen wir bewusst, das Tempo herauszunehmen. Unser Ziel war Wanlockhead, das höchstgelegene Dorf Schottlands und damit auch der Standort des höchstgelegenen Pubs des Landes. Drinnen war es warm, es gab gutes Essen, ein kühles Bier und später sogar eine Runde Billard. Wir verloren ein bisschen das Zeitgefühl und kamen zur Ruhe.
Irgendwann sahen wir uns an und stellten fest: Heute gehen wir nicht mehr weiter. Nach mehreren Wochen auf dem Trail fordern Körper und Kopf irgendwann ihre Pausen ein. Und diese ruhigeren Tage sind keine verlorenen Tage – sie sind notwendig, um langfristig weitergehen zu können.

Unsere erste Nacht in einer Bothy
Ein echtes Highlight dieser Woche war unsere erste Nacht in einer Bothy. Bothies sind einfache Wanderhütten. Meist alte Gebäude mitten im Nirgendwo, die Wanderern kostenlos zur Verfügung stehen. Besonders in den schottischen Highlands sind sie verbreitet und werden von der Mountain Bothies Association betreut.
Mehr Infos und eine Übersicht aller Bothies:
https://www.mountainbothies.org.uk
Unsere erste Bothy war die Brattleburn Bothy. Holz hacken, ein kleines Feuer machen und Schlafsäcke auf einer Holzplattform ausrollen. Kein Luxus, aber genau das Richtige, wenn draußen Wind und Regen toben. Am nächsten Morgen hinterließen wir alles sauber und ordentlich, damit auch die nächsten Wanderer einen guten Platz vorfinden.
Unser Fazit: Für eine Nacht sind Bothies ideal, besonders bei schlechtem Wetter.

Abschied von den Scottish Uplands
Mit dieser Woche haben wir auch die Scottish Uplands hinter uns gelassen. Eines der drei großen geografischen Gebiete Schottlands neben den Highlands und den Lowlands.
Für uns bedeutete das viele Höhenmeter, viel Regen, starken Wind und vor allem sehr viel Schlamm. Gleichzeitig waren es aber auch Tage voller weiter Landschaften, offener Horizonte und stiller Momente, in denen man einfach stehen bleibt und weiß, warum man diesen Weg geht. Mit dem Ende der Uplands hoffen wir nun auf etwas ebenere Wege. Der Start unserer JOGLE‑Wanderung durch Schottland hatte es definitiv in sich.

Fazit Woche 5 auf dem JOGLE
Woche fünf war geprägt von Regen, Schlamm und weiten Landschaften. Genau diese Mischung macht eine Fernwanderung durch Schottland so besonders. Trotz aller Wetterkapriolen durften wir eine intensive und wunderschöne Zeit draußen erleben.
Drückt uns die Pfoten 🐾


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