Woche 12 auf dem JOGLE – Land’s End: Angekommen am Ende der Welt

Maresa, Nick und Hund Nero am Ziel der JOGLE Wanderung in Land’s End

Wir bauen unser Zelt ein letztes Mal ab. Schon die Tage davor fühlten sich anders an. Irgendwie ungewohnt, fast aufregend. Seit Wochen laufen wir auf dieses eine Ziel zu: Land’s End. Diesen Satz haben wir unzählige Male gesagt; beim Start in John o’Groats, an Regentagen, bei starkem Gegenwind und auf langen Straßenetappen. Land’s End war immer dieser ferne Punkt ganz im Süden. Jetzt sind wir fast da.

Die letzten Tage vor Land’s End

Je näher wir dem Ziel kamen, desto unwirklicher fühlte sich alles an. Morgens aufzuwachen und zu wissen, dass nur noch wenige Etappen vor uns liegen, veränderte plötzlich die Perspektive. Nur noch ein paar Mal das Zelt aufbauen, nur noch wenige lange Wandertage.

Es war eine Mischung aus Vorfreude und leiser Nervosität. Freude darüber, wie weit wir gekommen sind. Gleichzeitig aber auch diese Frage im Hinterkopf: Was kommt danach? Über Wochen richtet sich alles nach einem einzigen Ziel aus. Jeder Schritt hat eine klare Richtung. Wenn dieses Ziel plötzlich nah ist, entsteht Raum für Gedanken.

Dorf in Cornwall an der Küste auf dem Weg nach Land’s End während der JOGLE Wanderung

Ein kurzer Abschnitt auf dem South West Coast Path

Für die letzten Kilometer wechselten wir auf den South West Coast Path. Mit rund 1.014 Kilometern ist er der längste ausgeschilderte Fernwanderweg Großbritanniens und führt entlang der spektakulären Küste im Südwesten Englands.

Für uns blieb es jedoch nur ein kurzer Abschnitt am Ende unserer Reise. Nachdem wir zuvor durch das Landesinnere gewandert waren, hätten wir theoretisch deutlich länger entlang der Küste laufen können. Die Vorstellung, die letzten Tage komplett am Meer zu verbringen, war verlockend. Doch unsere Recherche und die Wetterprognosen machten uns vorsichtig.

Der South West Coast Path ist bekannt für steile Auf‑ und Abstiege, rutschige Felsen und matschige Passagen, besonders nach Regen. Genau diese Bedingungen bestätigten sich schnell.

Unser Abschnitt war landschaftlich wunderschön, aber körperlich fordernd. Jeder Küsteneinschnitt bedeutete einen steilen Abstieg und danach sofort wieder einen Anstieg. Anders als an der Küste im Norden Schottlands rund um John o’Groats, wo viele Wege über ein Plateau verlaufen, bewegt man sich hier viel näher am Wasser.

Die Wege waren stellenweise matschig, der Wind wechselhaft und das Wetter typisch britisch: Sonne, Wolken und kurze Regenschauer im Wechsel. Kurz vor Land’s End entschieden wir uns schließlich, auf die Straße auszuweichen. Der Küstenpfad wurde enger, mehr Menschen kamen uns entgegen und wir wollten auf den letzten Kilometern kein unnötiges Risiko eingehen.

Nick und Nero entlang des Küstenpfades des South West Coast Path nahe Land’s End

Der Moment, auf den alles zulief

Dann passiert es. Du läufst einen kleinen Anstieg hinauf. Du hebst den Blick und am Horizont erscheint dieser Schriftzug: Land’s End. Nach so vielen Kilometern plötzlich auf den letzten Metern zu sein, ist schwer zu beschreiben. Man sieht es, man weiß, was es bedeutet und doch fühlt es sich noch nicht ganz real an.

Rein optisch erinnerte uns Land’s End sofort an John o’Groats. Weiße kleine Häuser, viel Wind und eine gewisse touristische Infrastruktur. Und natürlich das berühmte Schild. Es wirkte fast wie ein Spiegelbild unseres Starts, nur am anderen Ende der Insel. Doch während John o’Groats für uns der Anfang war, steht hier alles im Zeichen des Abschlusses.

Durch die Jahreszeit war es ruhig. Nur wenige Menschen waren unterwegs, viele Geschäfte geschlossen. Im Sommer herrscht hier vermutlich deutlich mehr Trubel. Und wir hatten Glück: Genau in dem Moment, als wir ankamen, kam die Sonne heraus, als hätte das Wetter beschlossen, uns diesen Augenblick zu schenken.

Maresa und Hund Nero vor dem Land’s End Schriftzug des Hauses am südlichsten Punkt Englands

Angekommen

Wir gehen die letzten Meter nebeneinander. 79 Tage zuvor standen wir im Norden Schottlands. Jetzt stehen wir hier am südwestlichsten Punkt Englands.

Eine Mischung aus drei Gedanken: Ich kann es kaum glauben. Ich freue mich unglaublich. Und was kommt jetzt?

So lange läuft man auf dieses Ziel zu. Jeder Tag dreht sich darum. Jeder Schritt bringt einen näher. Und dann ist man plötzlich da. Wir legen die Hände an das Schild, das das offizielle Ende unserer Strecke markiert. Wir schauen uns an und lächeln.

Unter uns rauscht das Meer. Nero steht im Wind und schnuppert neugierig in die Luft, völlig unbeeindruckt von der Symbolik dieses Ortes. Für viele Besucher ist Land’s End ein Ausflugsziel. Für uns ist es das Ende von über 1.400 Kilometern zu Fuß. Ein Moment zwischen Stolz, Dankbarkeit und dieser leisen Leere, die entsteht, wenn ein großes Ziel erreicht ist.

Und wir wissen: Diesen Augenblick werden wir nie vergessen.

Maresa, Nick und Hund Nero am Ziel der JOGLE Wanderung in Land’s End

Fazit Woche 12 auf dem JOGLE

Die letzte Woche unserer JOGLE‑Wanderung fühlte sich anders an. Eine Mischung aus Aufregung und Unwirklichkeit, fast zerbrechlich. Man möchte ankommen, und gleichzeitig soll es nicht vorbei sein.

Der South West Coast Path hat uns noch einmal gezeigt, wie abwechslungsreich Küstenwandern in England sein kann. Schmale Pfade, matschige Abschnitte, ständiges Auf und Ab und wechselhaftes Wetter machen diesen Weg wunderschön, aber auch anspruchsvoll.

Und dann dieser Moment am Ziel. Nach 79 Tagen wird aus einem Punkt auf der Karte Realität. Aus einer Idee wird Erinnerung. Aus einem Traum ein abgeschlossenes Kapitel.

Woche 12 war kein lautes Finale. Sie war ruhig, windig und sonnig im richtigen Moment.

Sie hat uns gezeigt: Das Ankommen ist schön.
Aber der Weg dorthin war das eigentliche Abenteuer.

Drückt uns die Pfoten 🐾


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