Woche 11 auf dem JOGLE – Cornwall: Wind, Weite und das Ende eines großen Trails

Nick und Nero wie sie gemeinsam auf einer Straße im Sonnenuntergang während der JOGLE Fernwanderung laufen

Als wir das Ortsschild passierten, war es kein spektakulärer Moment mit Fanfaren oder epischer Aussicht. Es war ein ganz normaler Trailtag. Morgens Zelt abbauen, das noch feuchte Außenzelt verstauen, Rucksäcke packen. Und doch wussten wir: Das hier ist ein weiterer und beinahe letzter Meilenstein unserer JOGLE‑Wanderung. Wir haben Cornwall erreicht, Englands südlichste Grafschaft.

Seit über 70 Tagen sind wir zu Fuß durch Großbritannien unterwegs. Und jetzt liegen nur noch wenige hundert Kilometer zwischen uns und unserem Ziel: Land’s End.

Ein typisch britischer Tag beim Wandern in Cornwall

Cornwall begrüßte uns genau so, wie man es sich vorstellt mit „britisch gutem Wetter“. Das bedeutete: Regen, dann Sonne, dann wieder Regen. Und dazwischen ein Regenbogen. Mehrmals am Tag.

Irgendwann haben wir aufgehört zu zählen, wie oft wir unsere Ponchos an- und wieder ausgezogen haben. Eben noch im T‑Shirt durch die Sonne gelaufen, fünf Minuten später komplett im Regenschutz eingehüllt. Sobald irgendwo ein Regenbogen auftauchte, wussten wir: Der nächste Schauer lässt nicht lange auf sich warten.

Dazu kommt die typische Landschaft Cornwalls: grüne Hügel, offene Wiesen und schmale Wege zwischen alten Steinmauern. Inzwischen weichen wir häufiger auf befestigte Straßen aus, da viele Wanderwege durch den Regen zu Bächen oder Matschpfaden geworden sind. Das wechselhafte Wetter begleitet uns seit unserer Ankunft. Inzwischen vergeht kaum ein Tag ohne Regen, kalten Wind und Schuhe, die irgendwann vollständig durchnässt sind.

Kurz vor Cornwall haben Nick und ich deshalb unsere Wanderschuhe ersetzt. Die alten waren durch die vielen Kilometer bereits stark abgenutzt und hatten Löcher. Die neuen, wieder wasserdichten Schuhe halten zumindest ein paar Minuten länger trocken. Denn es gibt kaum etwas unangenehmeres, als wenn sich jeder Schritt anfühlt, als würde man über ein Wasserbett laufen.

Aus Wandersicht ist Cornwall im Dezember daher nur bedingt zu empfehlen.

Nick und Hund Nero vor einer typischen britischen Telefonzelle in Cornwall während der JOGLE Fernwanderung

Update zur Kulinarik: Was wir auf dem Trail essen

Auf einer Fernwanderung spielt Essen eine größere Rolle, als man zunächst denkt. Unsere Verpflegung hat sich im Vergleich zu Schottland leicht verändert, bleibt aber weiterhin pragmatisch.

Ein typischer Tag beginnt mit Kaffee im Wald. Meist irgendwo zwischen Bäumen, während das Zelt noch trocknet oder der Morgen langsam heller wird.

Morgendlicher Kaffee vom Campingkocher beim Wildcampen während der JOGLE Wanderung

Unterwegs essen wir meist das, was wir unterwegs bekommen und worauf wir gerade Lust haben. Dazu gehören Sausage Rolls, Schokobrötchen, britische Krapfen, Müsliriegel oder eine kalte Cola aus einem Dorfladen. Ein echtes Highlight bleibt das klassische Full English Breakfast.

Wir zählen keine Kalorien und verfolgen keinen Ernährungsplan. Wir essen das, was Energie liefert und schmeckt.

Full English Breakfast während der JOGLE Wanderung durch England

Abends, wenn wir eine Unterkunft gefunden haben oder einen geschützten Zeltplatz, gibt es meist ein einfaches Trail‑Dinner. Und egal wie der Tag war: Unser kleines Ritual bleibt gleich mit heißer Schokolade und Oreos. Jeden Abend.

Der Countdown läuft: Cornwall als letzte Etappe

Irgendwann verschob sich unsere Perspektive. Es ging nicht mehr um „noch ein paar hundert Kilometer“, sondern plötzlich nur noch um wenige Tage bis Land’s End.

Mit einem Mal bekommt jeder Schritt ein anderes Gewicht. Wir laufen durch Regen, Matsch und Gegenwind und spüren gleichzeitig, wie nah das Ziel ist. Während wir Kilometer sammeln, wandern unsere Gedanken zurück zu den ersten Wochen der Reise: nach Schottland, zu den ersten Tagen auf dem Trail und zu Momenten voller Zweifel.

Seit über 70 Tagen stehen wir morgens auf, bauen das Zelt ab, schultern unsere Rucksäcke und laufen täglich etwa 20 bis 25 Kilometer. Dieser Rhythmus ist längst zu unserem Alltag geworden. Und nun liegt das Ende dieses Kapitels direkt vor uns.

Neben Stolz und Vorfreude taucht auch eine andere Frage auf: Was passiert, wenn wir ankommen? Wenn es kein „Weiter“ mehr gibt? Mit jedem Kilometer rückt Land’s End näher. Und während der Countdown läuft, versuchen wir bewusst, die letzten Tage wirklich wahrzunehmen.

Der Weg über das Landesinnere

In Cornwall mussten wir eine wichtige Entscheidung treffen: Wie laufen wir die letzten Kilometer bis nach Land’s End?

Zur Auswahl standen zwei Optionen. Der berühmte South West Coast Path entlang der Küste oder eine Route durch das Landesinnere.

Der South West Coast Path ist einer der schönsten Fernwanderwege Englands. Er führt direkt entlang der Küste, mit spektakulären Klippen, weitem Blick auf das Meer und dramatischen Landschaften. Doch die Wetterbedingungen machten diese Option schwierig. Täglicher Regen hatte viele Wege stark aufgeweicht. Selbst einfache Pfade waren teilweise kaum noch begehbar. Der Coast Path ist außerdem bekannt für seine ständigen Höhenmeter direkt an den Klippen, häufig auf unbefestigten oder steinigen Wegen. Auch das Zelten wäre entlang der Küste schwieriger gewesen, da viele Abschnitte wenig Schutz vor Wind und Wetter bieten.

Deshalb entschieden wir uns schließlich für den Weg durch das Landesinnere. Mithilfe von Karten‑Apps planten wir unsere Route täglich neu. So konnten wir sicherstellen, dass wir überwiegend auf befestigten Wegen oder ruhigen Straßen unterwegs waren und häufiger Schutz durch Wälder fanden. Der Nachteil: landschaftlich war dieser Weg weniger spektakulär. Statt weiter Küstenblicke liefen wir häufig zwischen Hecken und Sträuchern: Grüne Tunnel statt Meerblick.

Wanderweg im Landesinneren von Cornwall während der JOGLE Fernwanderung

Fazit Woche 11 auf dem JOGLE

Woche 11 war emotionaler als viele Wochen zuvor. Nicht wegen der Kilometer, sondern wegen dem, was über allem steht: das nahende Ende unserer Reise.

Cornwall hat uns noch einmal alles gezeigt: Regen, Wind, Sonne und weite Landschaften. Zweifel an einem Tag, Euphorie am nächsten. Wir merken, dass die letzten Kilometer nicht leichter werden, aber bewusster. Jeder Schritt trägt die Geschichte der vergangenen Wochen in sich.

Land’s End ist nah. Und wir sind bereit.

Drückt uns die Pfoten 🐾


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert