Vier Wochen unterwegs. Vier Wochen draußen. Vier Wochen zwischen Regenjacke, Zelt und dem leisen Zweifel, ob sich der Körper irgendwann an das Gewicht des Rucksacks gewöhnen wird. Als wir vor einem Monat unsere ersten Schritte auf dem JOGLE, der Fernwanderung von John o’Groats nach Land’s End gemacht haben, wussten wir: Es wird anstrengend. Wir wussten, dass uns ein Abenteuer erwartet.
Vier Wochen auf dem JOGLE – unsere ersten Etappen
Die ersten Wochen unserer Langstreckenwanderung durch Großbritannien fühlten sich an wie eine Mischung aus Naturdokumentation, Survival-Camp und Reality-Show.
Zu den prägendsten Momenten gehörten:
- Die dramatischen Klippen im Norden Schottlands, so beeindruckend, dass wir sie manchmal kaum wahrgenommen haben, weil wir damit beschäftigt waren, uns gegen den Wind zu stemmen.
- Neros Zwangspause inklusive Zugfahrt nach Inverness, bei der wir immer wieder erklären mussten, warum wir mit Rucksack, Hund und Wanderkleidung unterwegs sind.
- Tage mit Dauerregen, an denen wir morgens im Zelt saßen und uns fragten, warum wir uns dieses Abenteuer eigentlich ausgesucht haben.
- Der West Highland Way, wo wir zum ersten Mal seit Beginn unserer Reise viele andere Wanderer trafen und merkten, dass wir nicht allein unterwegs sind.
- Und natürlich Sturm Amy, bei dem wir nachts hofften, dass unsere Unterkunft den starken Böen standhält.
Diese Mischung aus Natur, Herausforderungen und unerwarteten Begegnungen macht den Reiz einer Fernwanderung aus.

Essen auf dem Trail – was wir beim Wandern durch Schottland essen
Nach einem Monat auf dem Trail hat sich unser Geschmackssinn deutlich verändert. Dinge, über die wir früher diskutiert hätten, sind unterwegs plötzlich echte Highlights. Zu unseren kulinarischen Favoriten gehören:
Haggis-Burger
Ein Burger mit schottischer Spezialität aus Schafsinnereien. Nick war schon vorher Fan – inzwischen bin ich es auch.
Fish & Chips
Die sichere Alternative, wenn kein Haggis-Burger auf der Speisekarte steht.
Scottish Breakfast
Wenn dann gleich die volle Variante: Bacon, Link Sausage, Lorne Sausage, Black Pudding, Haggis, Tattie Scones, Baked Beans, Toast, Spiegelei, Pilze und Tomaten. Ein Frühstück, nach dem man eigentlich wieder schlafen möchte – für uns aber der perfekte Start in einen langen Wandertag.
Riegel und Zitronenkuchen
Das improvisierte Frühstück in der Wildnis oder der schnelle Energieschub zwischendurch.
Kaffee und ein Pint im Pub
Kein Luxus – sondern emotionale Stabilität in Getränkeform.
Unser Fazit nach einem Monat: Schottisches Essen ist deftig, süß und genau das Richtige, wenn man den ganzen Tag draußen unterwegs ist.

22 Nächte im Zelt – Leben auf dem Trail
22 Nächte im Zelt bedeuten auch 22 Nächte mitten in der Natur.
Dazu gehören:
- der abendliche Zeltaufbau, begleitet von Diskussionen über Effizienz, einem ungeduldigen Hund und einer viel zu schwachen Zeltlampe
- die nächtlichen Geräusche des Regens, während wir hoffen, dass Innen- und Außenzelt sich nicht berühren
- das morgendliche Anziehen auf minimalem Raum, halb sitzend, halb liegend
- und der Moment, in dem man realisiert, dass man ausschließlich durch ein paar Stoffschichten vom Wetter getrennt ist
Zeltleben bedeutet Minimalismus, aber auch eine besondere Nähe zur Natur.

Die größten Herausforderungen beim Fernwandern
Natürlich war nicht alles romantisch. Zu den größten Herausforderungen gehörten: der schwere Rucksack, der sich an manchen Tagen wie ein Zementblock anfühlt. Blasen an den Füßen, die einfach nicht verschwinden wollen und Tage, an denen jeder Schritt ein kleines Verhandeln mit sich selbst ist.
Und trotzdem gibt es immer wieder Momente, in denen man lachen muss. Zum Beispiel, wenn jemand über eine Wurzel stolpert und plötzlich im Schlamm sitzt. Humor gehört definitiv zur wichtigsten Ausrüstung auf einer Fernwanderung.

Unser größtes Learning nach einem Monat JOGLE
Ein Monat auf dem Trail hat uns etwas Wichtiges gezeigt: Man darf fluchen, man darf müde sein und man darf auch mal alles blöd finden. Aber man sollte sich selbst nicht unterschätzen.
Diese Reise zeigt uns jeden Tag, dass wir stärker sind, als wir dachten: körperlich, mental und vor allem als Team. Und vielleicht ist Humor tatsächlich die wichtigste Ausrüstung auf einer Langstreckenwanderung. Wenn das erst der Anfang ist, sind wir gespannt auf alles, was noch kommt: mehr Kilometer, neue Geschichten und hoffentlich irgendwann auch trockene Schuhe.
Drückt uns die Pfoten 🐾


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