Mit Woche sieben beginnt für uns ein neues Kapitel unserer JOGLE‑Fernwanderung von John o’Groats nach Land’s End: der Pennine Way. Ende Oktober zeigt sich dieser Fernwanderweg von seiner ehrlichen Seite. Hart, nass, windig und gleichzeitig beeindruckend schön. Die Landschaft wird weiter, die Wege rauer und wir merken immer deutlicher, dass wir endgültig im Fernwanderalltag angekommen sind.
Start auf dem Pennine Way im Herbst der North Pennines
Der Pennine Way ist mit rund 430 Kilometern der älteste und einer der anspruchsvollsten Fernwanderwege Englands. Er verläuft entlang des sogenannten „Rückgrats Englands“ von Edale im Peak District bis nach Kirk Yetholm an der schottischen Grenze. Unser Abschnitt beginnt in den North Pennines, einer abgelegenen Region mit weiten Moorlandschaften, tief eingeschnittenen Tälern und wenig Besiedlung.
Der Einstieg fühlte sich wie ein Wechselbad an. Zunächst liefen wir durch herbstliche Landschaften mit bunten Farben und weiten Ausblicken. Kurz darauf folgten Wind, Regen und steile Anstiege. Die Wege wurden schmal, teilweise matschig und stellenweise ausgesetzt. Willkommen auf dem Pennine Way.

Bergfest am High Cup Nick: Halbzeit auf dem JOGLE
Ein besonders emotionaler Moment dieser Woche war die Halbzeit unserer JOGLE-Wanderung. Wir haben die Hälfte unseres Weges geschafft und das an einem der spektakulärsten Orte des Pennine Way: High Cup Nick.
High Cup Nick ist ein gewaltiges, U‑förmiges Tal, das während der Eiszeit durch Gletscher geformt wurde. Der Aufstieg führte uns bei Sonnenschein durch herbstliche Landschaften hinauf in die Höhe. Oben angekommen lag zunächst dichter Nebel über dem Tal. Doch genau am Aussichtspunkt lichtete sich die Wolkendecke und gab den Blick frei auf eine beeindruckende Weite, Stille und Tiefe.

Der härteste Tag: 30 Kilometer durch Moorlandschaft
Einige Tage auf dem Pennine Way beginnen schon schwer und werden es dann auch. Diese Etappe gehörte definitiv dazu. Ein typischer Pennine‑Way‑Tag bedeutet lange Strecken durch offene Landschaft, starken Wind und häufig Moorboden.
Der Tag begann mit einem steilen Aufstieg und fantastischer Aussicht. Danach folgten kilometerlange Moorflächen mit wenig Schutz vor Wind und Wetter. Ein kurzer Lichtblick war ein Stopp an einer kleinen Farm, an der Snacks gegen Spende angeboten wurden. Das Tagesziel war das Tan Hill Inn, der höchstgelegene Pub Englands auf über 500 Metern Höhe. Nach etwa 30 Kilometern durch Moor, Wind und Nässe warteten dort Burger, Pommes und ein kühles Bier.
Die Etappe gehörte zu den härtesten bisher. Den Versuch, unsere Schuhe trocken zu halten, gaben wir nach wenigen Minuten auf. Besonders die letzten Kilometer wurden zu einem mentalen Kampf gegen die Müdigkeit, gegen den Weg und gegen die einsetzende Dämmerung.

Ein typischer Wandertag in Großbritannien
Neben den großen Momenten besteht eine Fernwanderung vor allem aus vielen alltäglichen Tagen. Ein typischer Tag auf dem Trail sah diese Woche ungefähr so aus:
Der Morgen beginnt meist mit einem Full English Breakfast. Danach folgen mehrere Stunden Wandern durch Regen, Wind und offene Landschaft. Hügel, Schafweiden und lange Wege prägen das Bild. Zwischendurch zeigt sich manchmal kurz die Sonne. Am Abend endet der Tag häufig in einem Pub, wo wir uns aufwärmen und neue Energie sammeln können.
Nicht jeder Tag bringt spektakuläre Highlights und genau das ist völlig in Ordnung. Es ist einfach der Alltag auf dem Weg nach Süden.

Fazit Woche 7 auf dem JOGLE
Der Pennine Way fordert uns mit langen Etappen, schwierigen Wegbedingungen und wechselhaftem Wetter. Bisher ist er der anspruchsvollste Abschnitt unserer Wanderung durch Großbritannien.
Die Tage werden einsamer. Oft sind wir stundenlang allein unterwegs. Das ist nicht unbedingt negativ, aber deutlich spürbar. In dieser Woche hatten wir häufig das Gefühl, dass wir uns zu dritt, Nick, Maresa und Nero, durch die Wildnis Großbritanniens bewegen.
Gleichzeitig haben wir einen wichtigen Meilenstein erreicht: Halbzeit auf dem JOGLE.
Und das fühlt sich immer noch ein wenig verrückt an.
Drückt uns die Pfoten 🐾


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